Nara – Auf den Spuren der Rehe

Nara - Auf den Spuren der Rehe

Nara

Auf den Spuren der Rehe

Nachdem ich einige Zeit in der Kanto-Region verbracht hatte, wurde es Zeit, auch einmal die Kansai-Region unsicher zu machen. Ōsaka hatte ich bereits direkt nach meiner Ankunft in Japan besucht. Der Grund dafür war jedoch nicht unbedingt meine Liebe zu dieser Stadt. Vielmehr wollte ich dort abwarten, wie sich die Situation nach dem Reaktorunglück um Fukushima entwickelt. Jedenfalls konnte ich mich so getrost auch den kleineren Orten in der Umgebung widmen.

Praktisch, dass eine Freundin gerade zur gleichen Zeit wie ich in Kansai studierte. Bei ihr durfte ich zwischenzeitlich wohnen. Sie hat mir ihr Kansai gezeigt und mich unteranderem mit nach Nara (奈良市) genommen.

Doch so klein wie ich anfangs dachte, ist Nara gar nicht. Mittlerweile gehört die Stadt sogar zu den wichtigsten touristischen Zielen Japans. Bekannt ist sie besonders aufgrund ihrer frei herumlaufenden Rehe geworden. Klar, dass ich mir das auf jeden Fall anschauen musste, oder?

Sarusawaike Teich in Nara

So kommst du hin!

Vermutlich wirst du dich von Kyōto oder Ōsaka nach Nara aufmachen. Von Kyōto aus empfehle ich dir, die Kansai-Linie der JR bis zum JR Bahnhof Nara Station zu nehmen. Alternativ kannst du auch die private Kintesu-Kyōto-Linie wählen, die dich auch ab Osaka sicher zum Bahnhof Kintesu Nara Station bringt.

Von beiden Großstädten benötigst du etwa eine bis anderthalb Stunden.

Die beiden Bahnhöfe liegen sehr zentral und befinden sich fußläufig zu den wichtigsten Sightseeingspots Naras.

Sarusawaike Teich in Nara

Das gibt es zu sehen

Aufgrund seiner Nähe zu Kyōto und Ōsaka nutzen viele Touristen Nara für einen Tagesausflug. Ich möchte dir allerdings empfehlen, mehr als einen Tag für diese großartige Stadt einzuplanen, denn zu sehen gibt es hier eine ganze Menge.

1. Todai-ji (東大寺)

Der buddhistische Tempel ist mit seiner Haupthalle, die eine Breite von 57,01 Metern, eine Tiefe von 50,48 Metern und einer Höhe von 48,74 Metern hat, eines der größten Holzgebäude der Welt.
Darüber hinaus beherbergt er in seiner Haupthalle eine ca. 15 Meter buddhistische Bronzestatue, die den Großen Buddha (daibutsu, 大仏) darstellt.

Die Tempelanlage schließt außerdem ein Schrein mit ein, welcher der Shintō-Gottheit Hachiman (八幡), der Schutzgott des Großen Buddha, geweiht ist. Ebenfalls sehr sehenswert ist auch das Eingangstor (nandaimon, 南大門), welches von zwei rund 8,5 m hohen Wächterstatuen (Niō, 仁王) geziert wird, die den großen Buddha beschützen sollen. Für gewöhnlich werden die Niō unterschiedlich dargestellt. Eine Statue hat meist einen offenen, die andere eine geschlossenen Mund, denn einmal soll sie den Angriff symbolisieren und einmal die Abwehr.

Eine weitere Attraktion des Tempels ist eine Säule mit einem Loch darin. Man sagt, dass das Loch die gleiche Größe hat wie das Nasenloch von Buddha und das jeder, der es schafft da durchzukriechen, in seinem nächsten Leben Erleuchtung erfährt.

Die meisten Besucher versuchen, ihren Körper durch das Loch zu ziehen – egal, ob allein oder mit etwas Hilfe von Außenstehenden. Allerdings solltest du wissen, dass dieses Loch eher für die schmalen Leiber der Japaner gedacht ist. Auch wenn meine Schulterbreite nicht besonders groß ist, stand ich etwas ratlos davor und wusste beim besten Willen nicht, wie ich meinen Körper durch dieses Loch manövrieren sollte, ohne dabei stecken zu bleiben...

Der Eintritt kostet übrigens 500 JPY (ca. 4 EUR) für das Museum. Möchtest du Museum und die große Halle mit dem Buddha besuchen, sind es 800 JPY (ca. 6 EUR).

Todaiji in Nara

2. Nara Park (奈良公園)

Ein Großteil des Nara-Parks (Nara Kōen, 奈良公園) gehört zur Tempelanlage des Todai-ji und damit auch zu den Attraktionen Naras. Doch die Attraktionen sind nicht etwa besondere Pflanzenarten, sondern die dort frei herumlaufenden Rehe, die manchmal sogar an deiner Kleidung knabbern, in der Erwartung, dass du ihnen etwas zu Fressen gibst. Sie haben gar kein Problem mit ihrer Aufdringlichkeit und die Besucher sind darauf eingestellt. Entweder sie geben ihnen etwas von dem eigenen Proviant ab, oder kaufen den netten Verkäufern ein paar Kekse ab, die eigens zur Fütterung der Rehe verkauft werden.

Und sie können sogar einen ganz besonderen Trick. Wenn sie denken, dass du einfach an ihnen vorbeigehen wirst, ohne ihnen etwas zu Fressen zu geben, verbeugen sie sich vor dir. Ganz schön abgefahren, oder? Denn mal ehrlich, wer könnte einem sich verbeugenden Reh schon widerstehen?

Im Shinto-Glauben sind die Rehe die Boten der Götter und werden daher gerne geduldet. Die Rehe wurden schnell zum Symbol der Stadt und stehen mittlerweile unter Naturschutz.

Der Nara-Park ist kostenlos und kann frei besucht werden.

Reh im Nara Park
Hinweise im Nara-Park

3. Kasuga-Schrein (春日大社)

Der Kasuga-Schrein (kasuga taisha, 春日大社) übt auf mich die gleiche Faszination aus, wie die meisten Schreine in Japan. Ich bin bereits beim Betreten der Schreinanlage total verzaubert von dem roten Lack, in dem die Holzgebäude angemalt sind, sowie den vielen Laternen, für die der Schrein berühmt ist. Die Laternen (tōrō, 灯篭), meist aus Metall oder aus Stein, werden nur zwei Mal im Jahr, nämlich zur Tag- und Nachtgleiche (setsubun, 節分) sowie zum Bon-Fest angezündet. Diese Ereignisse finden einmal im Frühjahr und einmal im Herbst statt und denn ist der Schrein ein unvergleichlicher Anblick.

Der Schrein befindet sich am Fuße der beiden heiligen Berge Kasugayama (春日山) und Mikasayama (三笠山) und an ihn angrenzend befindet sich der Kasugayama Primeval Forest, einen heiligen Wald, welcher den Schrein noch mystischer werden lässt.

Kasuga-Schrein in Nara

Sehenswertes in der Nähe

In der Nähe von Nara Stadt gibt es ein paar tolle Sehenswürdigkeiten, die sehr sehenswert sind. Wenn du etwas Zeit hast, kann ich dir einen Besuch abseits der Touristenwege sehr empfehlen.

Imai-chō (今井町)

Das Imai-chō (今井町) ist heute ein Stadtteil Kashiharas (橿原市), der zweitgrößten Stadt der Präfektur Naras. In der Edo-Zeit war es eine unabhängige Tempel- und Handelsstadt und ist bis heute sehr gut erhalten. Mir ihrer Architektur der damaligen Zeit ist die Imai-chō heute eine richtige Touristen-Attraktion.

Die Stadt war mir einem Wall und einem Graben gefestigt, die heute jedoch größtenteils verschwunden sind. Das Zentrum bildete der Shōen-Tempel als wichtigstes Tempelgebäude. Darüber hinaus verfügte die Stadt jedoch noch über zahlreiche weitere Buddhistische Tempel und Shintō-Schreine. Zu nennen sind hier der Hachiman-jinja, der Junmyō-ji, der Remmyo-ji, der Saikō-ji sowie der Kasuga-jinja.

Zugunsten des Stadtbildes hat man, für Japan absolut untypisch, die Strommaste und Drähte unter die Erde verlegt. Ganz schön geschickt, denn wer besucht schon eine historisch wertvolle Sadt, die mit neuzeitlichen Leitungsmasten ausgestattet wurde?!

Wenn du Imai-chō besuchen möchtest, bringt dich die Sakurai-Linie der JR dorthin. Von dem JR-Bahnhof Nara bist du in ca. 50 Minuten da. Steige hierzu einfach nach 40 Minuten an der Unebi Station (畝傍駅) aus.

Sehenswertes um Nara herum

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