Wenn man plötzlich nicht mehr reisen kann… – Meine Gedanken zu COVID-19

Wenn man plötzlich nicht mehr reisen kann...

Wenn man plötzlich nicht mehr reisen kann...

Meine Gedanken zu COVID-19

COVID-19 hat unser aller Leben ziemlich schnell vollkommen auf den Kopf gestellt. Die meisten von uns befinden sich derzeit in häuslicher Quarantäne - einige, weil es ihnen so aufgetragen wurde, andere, von sich aus und ganz freiwillig.

Für mich ist es heute Tag 21 und ich bin ehrlich: ich drehe fast durch. Das hat allerdings viele unterschiedliche Gründe. Treffen mit Freunden habe ich abgesagt und Dienstreisen wurden eingestellt. Bereits seit Mitte Februar hat das Coronavirus einen enormen Einfluss auf mein Leben, und zwar so, wie ich es nie für möglich gehalten hätte.

Messen, die für mich beruflich wie sozial unheimlich wichtig gewesen wären, wurden abgesagt. Freunde treffe ich nicht mehr und raus gehe ich tatsächlich nur noch um einzukaufen oder mir bei einem Spaziergang die Beine zu vertreten. Das ist auch kein Problem. Ich weiss ja wofür es ist und ich bin dankbar, dass sich so viele Menschen ebenfalls an diese neuen Regeln halten. Auf der einen Seite gibt mir das zumindest teilweise den Glauben an die Menschheit zurück. Auf der anderen Seite hält mir COVID-19 einen Spiegel über mein Leben vor, dessen Spiegelbild ich kaum ertragen kann.

Wenn man plötzlich nicht mehr reisen kann...

Die unangenehme Wahrheit

Ich bezeichne mich gerne als Nerd. Meine Regale sind voll von Büchern und Manga, was Filme und Anime angeht, kann ich vergleichsweise gut mitreden - zumindest schlage ich mich nicht schlecht. Zugegeben: beim Thema Games hinke ich hinterher, aber ich kann zumindest mit den meisten Spielenamen etwas anfangen. Kurz gesagt: Ich verbringe sowieso ziemlich viel Zeit zuhause und mir sollten diese neuen Einschränkungen eigentlich nichts ausmachen.

Dennoch zeigt mir diese Zeit, dass ich vielleicht doch nicht ganz so introvertiert bin, wie ich dachte und eben doch sehr gerne unter Menschen gehe. Nicht immer und zu jeder Zeit, aber ich brauche meine sozialen Kontakte damit es mir gutgeht - und zwar mit Körperkontakt, nicht nur per Videoanruf im heimischen Arbeitszimmer.

Ganz so unabhängig wie ich dachte, bin ich wohl doch nicht, denn diese Abgeschiedenheit macht mich schier wahnsinnig. Ich komme mir eingesperrt vor, obwohl ich es nicht wirklich bin.

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Eine wirtschaftliche Katastrophe

Und auch die wirtschaftlichen Aspekte sind nicht außer Acht zu lassen. Wie so viele andere Branchen, stirbt auch die Tourismus- und die Reisebranche jeden Tag ein Stückchen mehr.

Momentan will keiner ans Reisen denken. Keiner will sich derzeit über einen Tapetenwechsel nach der Krise Gedanken machen – und in gewisser Weise kann ich das sogar nachvollziehen.

Auch meinen Hauptberuf trifft die Krise hart. Die Buchbranche kämpft. Seitdem auch die Buchhandlungen schließen mussten, fehlt der Branche eine große und wichtige Einnahmequelle, denn die meisten Bücher werden eben nicht online verkauft. Und davon ist nicht nur der kleine Comichändler, sondern auch die ganz großen betroffen. Bislang schlägt man sich wacker, doch ganz ehrlich: ich weiß nicht, wie lange auch das Printgeschäft noch durchhält.

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Positiv durch die Krise

Zum Glück ist ja nicht alles nur negativ an dieser Krise. Zugegeben: am Anfang ist es mir vergleichsweise schwergefallen die guten Dinge zu sehen, aber mittlerweile fällt es mir leichter.

Es scheint gerade so, als würde sich die Welt erholen. Das Paradoxe an der ganzen Sache ist, dass eine Pause dessen, was mich zum Teil ausmacht und mir Spaß macht - nämlich das Reisen - unserem schönen Planeten gerade so unglaublich gut tun. Die Luft ist klarer und reiner, die Kanäle in Venedig sauberer und man weiß den heimischen Wald viel mehr zu schätzen.

Die Menschen sind solidarischer, ganze Nachbarschaftsprojekte werden initiiert und man achtet auf sich und seine direkte Umgebung. Man kommt sogar mit fremden Menschen ins Gespräch; vielleicht, weil sie gerade die Einzigen sind, die sich draußen herumtreiben und man sich selbst so sehr nach Gesprächen mit echten Menschen sehnt.

Und auch meine Kooperationspartner sind unheimlich verständnisvoll. Klar, wir sitzen alle im selben Boot, aber selbstverständlich ist es deshalb noch lange nicht. (An dieser Stelle übrigens ein großes Dankeschön!)

Wenn man plötzlich nicht mehr reisen kann...

Ist es nicht unglaublich, wie schnell sich unser aller Leben verändern kann und wir trotzdem an einem Strang ziehen und zusammenhalten können? Wie schnell sich Entscheidungen in der Politik treffen lassen, obwohl man manchmal denkt, dass unser System doch viel zu kompliziert für schnelle Entscheidungen ist?

Vielleicht regt uns COVID-19 zum Nachdenken an und vielleicht brechen wir dadurch einmal aus unserer Routine aus, was uns sicherlich guttun wird. Ich habe für mich persönlich entschieden, die positiven Aspekte stärker in den Vordergrund zu stellen, mir kleine Auszeiten zu nehmen und mich in meiner Homeoffice-Zeit vielleicht auch mal ein bisschen mehr um mich selbst zu kümmern. Entschleunigend ist die derzeitige Situation ja schon.

Wie gehst du mit der neuen Situation um? Schreib es mir gerne in die Kommentare.

1 Comment

  1. 5. April 2020 / 21:34

    Liebe Kathi, auch ich lerne mich selbst in der Homeoffice Zeit mehr kennen. So habe ich das Kochen und Backen wieder entdeckt und schätze meine nahe Umgebung mehr. Ich musste zwei Reisen absagen, zwei Reisen auf die ich mich so unglaublich sehr gefreut habe. Mir wird bewusst wie sehr wir die Freiheit zum Reisen für selbstverständlich genommen haben. An eine Fernreise denke ich nun erstmal gar nicht mehr, und werde die Zeit für meine nähere Umgebung nutzen, denn das Gute ist doch oft so nahe. Das Zuhause bleiben tut mir tatsächlich gut. Lieben Dank das Du Deine Gedanken hier teilst :) Beste Grüße, Mandy

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