Love Hotels in Japan – Zwischen Entspannungs-Erlebnis und Fantasiewelt

Love Hotels in Japan

Zwischen Entspannungs-Erlebnis und Fantasiewelt

Love Hotels – Wo Entspannung und Begierde aufeinandertreffen. Spätestens seit dem Film Wolverine: Origins sind Love Hotels auch im Westen ein Begriff. Der Name ist dem ein oder anderen womöglich immer noch nicht ganz geläufig, aber was Love Hotels sind und wozu es sie gibt vermutlich schon. In diesem Artikel möchte ich mich endlich einmal den Love Hotels widmen und euch ein wenig mehr über sie erzählen. Wozu sind sie da, was macht sie aus und warum verdienen sie einen eigenen Artikel? Das alles erfährst du in diesem Artikel.

Was sind Love Hotels?

Love Hotels (ラブホテル, rabu hoteru, kurz: ラブホ, rabuho) sind Stundenhotels, in die man sich für eine gewisse Zeit (nur ein paar Stunden bis hin zu mehreren Stunden über Nacht) einmieten kann. Sie sind ein etablierter Teil der japanischen Alltagskultur und des täglichen Lebens. Denn sie können für ganz unterschiedliche Dinge genutzt werden. So zum Beispiel zu schlafen, weil die Wände im eigenen Heim zu dünn und die Nachbarn zu laut sind. Nichtsdestotrotz ist der Name Programm, denn natürlich werden Love Hotels vornehmlich genutzt, um Zweisamkeit zu erleben. Genutzt wird es dabei sowohl von Prostituierten und für Affären, aber auch um junge Menschen, die noch bei ihren Eltern oder in einem Wohnheim wohnen, wo ihnen die Privatsphäre fehlt. Manchmal mieten sich aber auch verheiratete Paare ein, weil die heimischen Räume zu hellhörig sind. Anders als viele denken, ist der Besuch eines Love Hotels aber nichts Anrüchiges, da es eben von viel mehr Menschen genutzt wird, die nicht unbedingt eine heimliche Affäre geheim halten wollen. Beachte: Der Besuch in einem Love Hotel ist erst ab 18 Jahren möglich.
Love Hotels in Japan

Wie viel kostet ein Besuch in Love Hotels?

Was glaubst du, wie viel es kostet, in den Genuss eines Love Hotels zu kommen? Je nachdem, wie lange du eine Unterkunft benötigst, kann ein Love Hotel ein echter Sparfaktor auf deiner Japan-Reise sein, da du das Zimmer quasi stundenweise bezahlst. Bist du beispielsweise den ganzen Tag unterwegs und benötigst es nur zum Schlafen, kann das eine echte Alternative zu herkömmlichen oder Capsule Hotels sein. Für gewöhnlich wird ein drei- oder mehrstufiges Preismodell angeboten, bei dem unterschiedliche Tarife zur Auswahl stehen. (Für gewöhnlich sind es drei Stück, können aber natürlich auch mehr sein.) Diese Tarife sind:
  • Rest (休憩, kyūkei, ausruhen): Bei diesem Tarif hast du das Zimmer für ein paar Stunden. In der Kansai-Region sind das für gewöhnlich ein oder anderthalb Stunden. Im restlichen Teil des Landes beträgt die Standardmietzeit mindestens zwei oder drei Stunden. Diesen Tarif hast du meist tagsüber zur Auswahl. Im Überblick: Dauer: 2 – 3 Stunden Preis: 3.000 – 7.000 JPY (ca. 22 – 52 Euro)
  • Short time (ショートタイム, shooto taimu, kurzer Besuch): Solltest du ein Love Hotel außerhalb der Kansai-Region besuchen, gibt es manchmal noch die Option, einen Short-Time-Aufenthalt zu buchen. Hier liegt die Zeit dann unterhalb des Stay-Tarifs, also zwischen dreißig Minuten und bis zu zwei Stunden.Im Überblick: Dauer: 30 Minuten – 2 Stunden Preis: 2.000 – 6.000 JPY (ca. 15 – 45 Euro)
  • Stay (宿泊, shukuhaku, übernachten): Am späten Abend kannst du ein Zimmer meist nur noch für den Stay-Tarif bekommen. Der inkludiert dann eine Pauschale für den Rest der Nacht. Du hast das Zimmer hier dann beispielsweise von 22 / 23 Uhr bis sechs oder neun / zehn Uhr morgens. Dieser Tarif ist teurer als der „Rest“-Tarif, aber immer noch günstiger als normale Hotels. Es lohnt sich also auf jeden Fall, das mal zu checken, solltest du eine Unterkunft für nur wenige Stunden benötigen.Im Überblick: Dauer: über Nacht (ab 22/23 Uhr bis neun oder 10 Uhr morgens) Preis: ab 8.000 JPY (ca. 60 Euro)
  • Service time (サービスタイム, sābisu taimu) oder free time (フリータイム, furii taimu): Diese Begriffe sind meiner Meinung nach total irreführend. „Service time“ klingt für mich quasi danach, als werde das Love Hotel in dieser Zeit gereinigt und bei „free time“ assoziiere ich einen kostenfreien Aufenthalt. Aber beides ist falsch. Bei diesem Tarif gewährt das Love Hotel einen Preisnachlass – ein Sonderangebot sozusagen. Dies umfasst die besucherschwache Zeiten, die beispielsweise am Vormittag oder frühen Nachmittag sind. In dieser Zeit sind die Zimmer oft besonders günstig. Hier lohnt es sich aber auf jeden Fall die Preise zu checken, denn in Großstädten kann das manchmal ein wenig anders sein. Eine Region, bei der das Love Hotel stark frequentiert ist, hat beispielsweise eher keine besonderen Preisnachlässe. Eine Region, in der Love Hotels zwar regelmäßig stark besucht werden, es aber einfach ein Überangebot gibt, sieht die Sache aber schon wieder anders aus. Im Überblick: Dauer: vormittags oder am frühen Nachmittag Preis: ab 5.000 JPY (ca. 37 Euro)
Die Preise variieren sehr stark nach Lage und Alter, aber auch nach Angebot der verschiedenen Love Hotels. Darüber hinaus gibt es häufig unterschiedliche Preise für Werktage und Wochenend-Tage. Ein weiterer Vorteil für alle Beteiligten ist übrigens das Bezahlsystem. Das geschieht entweder vollautomatisch oder das Kassenpersonal sitzt hinter einer Blende, sodass du höchstens die Hände zu sehen bekommst, die den Geldwechsel vollziehen. Das automatische Bezahlsystem (das heißt übrigens nicht, dass sich kein Servicemitarbeiter im Love Hotel befindet) finde ich immer dann toll, wenn man keine große Lust hat, sich zu verständen. Manchmal ist man einfach zu müde oder zu erschöpft. Und je nach Region versteht man die Menschen auch einfach nicht. Da kann ein automatisiertes System wirklich helfen. Als eher beängstigendes System empfinde ich die Varianten, wo auch der Besuch vollautomatisch abläuft. Da wird die Zimmertür nach der Buchung aufgeschlossen und freigegeben und nach dem Betreten automatisch verriegelt. Freigegeben wird sie erst dann wieder, wenn du die Zimmermiete über ein Rohrpostsystem beglichen hast. Dann wird das Schloss wieder freigegeben und die Tür entriegelt. Besonders entspannend empfinde ich das irgendwie nicht. Aber nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Für den Fall der Fälle können Servicemitarbeiter das System auch immer umgehen.
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Was darf ich in Love Hotels erwarten?

Der Besuch in einem Love Hotel kann einem schon mal den Atem stocken lassen, denn oft sind die Zimmer luxuriöser oder zumindest aufregender als die eines normalen Hotels. Allen voran steht natürlich, wie in fast jedem Hotelzimmer, das große Bett. In diesem Fall ist es selbstverständlich ein Doppelbett, das in der Regel mit einem elektronischen System ausgestattet ist, über welches du das Licht einstellen und das Radio sowie den Fernseher bedienen kannst. Das Bad ist häufig sehr luxuriös und manchmal sogar größer als das eigentliche Zimmer, denn hier finden Whirlpools Platz, Paarduschen oder alles zusammen. Vielleicht hast du auch ein paar abgefahrene Bilder zu den Zimmern eines Love Hotels im Kopf. Was du aber vermutlich noch nicht wusstest, ist, dass du hier auch auf andere Weise entertaint werden kannst. So bieten dir moderne Love Hotels nicht nur Themenzimmer, sondern auch zusätzlich Karaoke-Anlagen, eine große Minibar und sogar Videospiele. Sexspielzeug und Pornofilme gehören ebenfalls zum Zusatzangebot (meist kostenpflichtig). Solltest du Hunger bekommen, ist auch dafür gesorgt, denn gegen eine Gebühr kannst du dir Essen und etwas zum Trinken liefern lassen. Meist findest du dazu ein Menü ausgelegt auf deinem Zimmer. Manchmal ist es in einem Katalog inkludiert, in dem du auch die anderen Zusatzleistungen und Angebote findest. Deine Bestellung gibst du meist per Telefon auf. Bei der thematischen Gestaltung sind ebenfalls keine Grenzen gesetzt. Du findest süße Zimmer (manchmal komplett in Rosa gehalten) und Zimmer im Disney-Stil, auch abgefahrenere Themen, wie Zugabteile, Raumschiffe oder Zimmer mit SM-Ausstattung. Die Auswahl der Zimmer erfolgt am Eingang, wo die verfügbaren Zimmer (meist per beleuchteter Tafel) ausgestellt werden.
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Die Entstehung der Love Hotels

Wie sind Love Hotels eigentlich entstanden und warum? Nach allem, was du bislang weißt, kannst du dir ein paar Gründe sicherlich schon denken. Die fehlende Privatssphäre zu Hause ist ein Grund. Es gibt aber auch noch ein paar andere. Während der Edo-Zeit gab es Teeräume (出会茶屋 deai-chaya), in denen man Gäste unterhielt. Doch diese Räume wurden nicht nur von Künstlern und Geishas genutzt, sondern auch von Prostituierte, die sich dort mit ihren Freiern trafen. Da dies nicht so gerne gesehen war, brauchte man ein Etablissement, in das auch Prostituierte mit ihren Kunden gehen konnten und eine Alternative zu den Bordellen darstellte. Einen Aufschwung in der Love-Hotel-Branche gab es dann nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Prostitution im Jahr 1958 verboten wurde. Einen großen Einfluss auf die heutige Gestaltung der Love Hotels, hatten moderne Fashion Hotels und Boutique-Hotels (Zimmer mit thematischem Bezug), die sich an bestimmte, meist jüngere Kunden richteten. Dieser Wandel in der Hotelwelt und das Streben nach etwas Modernem, nahm man in den 1980er Jahren zum Anlass, um auch die Love Hotels ein wenig spannender und aufregender zu gestalten.

Love Hotels in anderen Ländern

Love Hotels gibt es nicht nur in Japan. Auch in Korea habe ich sie schon gesehen und sie funktionieren meines Wissens nach demselben Prinzip. Ähnliche Konzepte bedienen aber auch Motels in beispielsweise Lateinamerika. Und auch in anderen Ländern sind Love Hotels hier und da zu finden. Wusstest du, dass es auch hierzulande Stundenhotels gibt? Klar, sie heißen nicht „Love Hotels“, aber auch in Deutschland kannst du dich in den größeren Städten in Stundenhotels einbuchen. Hierzulande findest du manchmal auch den Begriff des „Romantikhotels“. Auch das sind keine Love Hotels im eigentlichen Sinne, aber sie spezialisieren sich im Wesentlichen auf das Gleiche: Entspannung, Genuss und Zweisamkeit. Meist spielt hier noch ein besonderer Fokus auf die Kulinarik mit rein.
Ich hoffe, ich konnte dir das Prinzip der Love Hotels etwas näherbringen. Verrate mir doch gerne mal, ob du dir vorstellen kannst, in Love Hotels zu übernachten, oder ob das für dich gar nicht infrage kommt.

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