24 Stunden in Hiroshima – Reisetipps und Highlights für die japanische Hafenstadt

24 Stunden in Hiroshima – Reisetipps und Highlights für die japanische Hafenstadt

24 Stunden in Hiroshima

Reisetipps und Highlights für die japanische Hafenstadt

Als uns der Busfahrer an unserer Station absetzt, merke ich, wie müde ich bin. Mir fallen im Stehen fast die Augen zu. „Vielleicht war es doch keine so gute Idee den Nachtbus nach Hiroshima zu nehmen", denke ich mir, während der Busfahrer unser Gepäck auslädt.

Es ist 2011 als ich Hiroshima (広島) das erste Mal besuche und durch das Unglück des Atomkraftwerks ein ganz besonderes Anliegen diese Stadt zu besuchen.

Der erste Eindruck: die Stadt ist wunderschön, hat eine tolle Größe und ist definitiv einen Besuch wert. Was genau es hier zu entdecken gibt, möchte ich dir in diesem Artikel zeigen.

24 Stunden in Hiroshima - Reisetipps und Highlights für die japanische Hafenstadt
24 Stunden in Hiroshima - Reisetipps und Highlights für die japanische Hafenstadt

Der Atombombenkuppel

Natürlich ist Hiroshima durch den Atombombenabwurf thematisch sehr stark geprägt. Wenn du dem Thema aus dem Weg gehen möchtest, wird dir das also nur schwer gelingen. Er ist zwar trauriger Teil der Stadtgeschichte, hat die Stadt jedoch auch stark geprägt und wenn du dich darauf einlässt, kannst du unglaublich viel lernen.

Am bewegendsten war für mich der Anblick des Friedensdenkmals bzw. der sog. Atombombenkuppel (原爆ドーム gembaku dōmu) von Hiroshima. Das Gebäude wurde von der Atombombe „Little Boy“ getroffen und brannte damals vollkommen aus. Von der Kuppel des Dachs ist nur noch die Stützkonstruktion vorhanden und wird seitdem konserviert.

Das Gebäude steht im Friedensgedenkpark in unmittelbarer Nähe des Friedensmuseums Hiroshima. Daneben fließt der Fluss Ōta. Er sorgt für die Wasser-Versorgung und Entwässerung Hiroshimas und ist somit der wichtigste Fluss der Präfektur.

Friedensdenkmal in Hiroshima
1-10 Otemachi,
Naka Ward, Hiroshima,
730-0051, Japan

Die Atombombenkuppel in Hiroshima
Die Atombombenkuppel in Hiroshima
Die Atombombenkuppel in Hiroshima

Friedensmuseum Hiroshima

Das Friedensmuseum bzw. Friedensgedenkmuseum (平和記念資料館, Heiwa Kinen Shiryōkan) in Hiroshima ist ein ganz besonderes Museum. Ich gebe zu, dass ich mich sehr für Kunst interessiere und durchaus für Kunstmuseen zu haben bin. Geschichtlich bin ich aber leider eine absolute Niete.

Ich bin zwar sehr am heutigen, wie am damaligen Weltgeschehen interessiert, aber Jahreszahlen kann ich mir einfach nicht merken. Und die Verknüpfungen zwischen sich parallel ereignenden Geschehen gelingt mir auch nur äußerst selten.

Das hat leider zur Folge, dass mich vor allen Dingen Museen, die mit einem geschichtlichen Aspekt (bspw. einem Abriss der röm. Geschichte) angelegt sind, eher langweilen. Auch wenn die Geschehnisse und Themen ja keinesfalls uninteressant sind!

Das Friedensmuseum von Hiroshima ist da ganz anders. Mir war es damals – insbesondere nach der Katastrophe um Fukushima – ein wichtiges Anliegen dieses Museum zu besuchen. Ich hätte sogar in Kauf genommen, mich durch viele schwere Geschichtstexte kämpfen zu müssen.

Das 1955 eröffnete Museum ist jedoch ganz anders. Es legt sehr viel Wert auf den Einsatz verschiedenster Medien. Es erzählt die Geschichte um den Atombombenabwurf von Hiroshima bis ins kleinste Detail. Dadurch vergisst man zunächst, dass es sich um ein Friedensmuseum handelt, wird aber recht schnell wieder daran erinnert.

Es zählt die Nachwirkungen und auch die Spätfolgen der atomaren Strahlung sowie der durch die Bombe verursachten Schäden auf und kritisiert den Militärismus im Allgemeinen.

Die genutzten Medien sind darüber hinaus sehr vielfältig. Von Schaumodellen, erklärenden Tonbandaufnahmen über Videoaufnahmen und vor allen Dingen originalen Tonaufnahmen. Die Ausstellung geht einem wirklich unter die Haut.

Ich habe viele Menschen gesehen, die im Anschluss an die Ausstellung erst einmal auf die Toilette verschwunden sind und auch viele Kinder, die weinend von ihren Eltern hinausgetragen wurden.

Die Ausstellung ist ganz surreal – erschreckend und bewegend auf der einen und unglaublich interessant auf der anderen Seite. Du solltest dir das Museum wirklich nicht entgehen lassen, wenn du in Hiroshima bist.

Der Eintritt beträgt 200 Yen (ca. 1,5 EUR) und ist damit recht preiswert.

Hiroshima Peace Memorial Museum
1-2 Nakajimacho Naka Ward
Hiroshima 730-0811, Japan

Friedensmuseums Hiroshima

Friedenspark Hiroshima

Zu dem von Kenzo Tange konstruierten Friedensmuseum gehört auch ein Friedensgedenkpark oder Friedenspark. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Museum und wurde als Zeichen des Friedens und in Gedenken an die Opfer des Atombombenabwurfs angelegt.

Der besteht aus einer ca. 12 Hektar großen Grünfläche und befindet sich in der Stadtmitte. Um genau zu sein, im Stadtteil Nakajima, über dem die Atombombe damals detoniert ist. Daher sollte er einerseits als Naherholungsgebiet für die Stadtbevölkerung wieder aufgebaut und gleichzeitig als Gedenkstätte angelegt werden. Er ist zu einem Ort geworden, an dem man um die Opfer trauern und über die Auswirkungen der Atompolitik nachdenken kann; ein Wahrzeichen für Frieden und ein Mahnmal zugleich.

Kenotaph für die Opfer der Atombombe

Kenotaph für die Opfer der Atombombe, der eine Liste von verstorbenen Opfern aller Nationalitäten beinhaltet.

Kenotaph für die Opfer der Atombombe

Kenotaph für die Opfer der Atombombe, der eine Liste von verstorbenen Opfern aller Nationalitäten beinhaltet.

Figur der Göttin Kannon des Friedens in Hiroshima

Figur der Göttin Kannon des Friedens

Die Friedensglocke im Friedenspark in Hiroshima

Die Friedensglocke

Das Kinder-Friedensmonument

Das Kinder-Friedensmonument

Das Atombomben-Hügel-Denkmal in Hiroshima

Das Atombomben-Hügel-Denkmal

Gedenktafel in Hiroshima
Turm des Friedens in Hiroshima

Turm des Friedens

Monument für die koreanischen Opfer und Überlebenden in Hiroshima

Monument für die koreanischen Opfer und Überlebenden

Monument für die koreanischen Opfer und Überlebenden in Hiroshima

Monument für die koreanischen Opfer und Überlebenden

Die Legende der 1000 Kraniche

Sadako Sasaki, eine Schülerin aus Hiroshima, erkrankte aufgrund der 1945 abgeworfenen Atombombe an Leukämie. Von 1943 bis 1955 kämpfte sie gegen die Krankheit, verlor den Kampf jedoch.

In Japan gibt es eine Legende, in der einem von den Göttern ein Wunsch erfüllt wird, sofern man 1000 Origami-Kraniche (千羽鶴, Sembazuru) faltet. Der Kranich gilt in Japan als ein Symbol der Langlebigkeit und gilt damit auch als Glückssymbol.

Um wieder gesund zu werden, fing Sadako an, 1000 Papierkraniche zu falten, damit die Götter sie wieder gesund machen. Leider ging ihr Wunsch nicht in Erfüllung.

 

Hiroshima

 

Heute gelten die Kraniche ebenfalls als Friedenssymbol.

Ende der 50er Jahre wurde mithilfe der Spenden für die Opfer des Atombombenabwurfs von Hiroshima ein Monument für den Weltkinderfrieden errichtet. Das Kinder-Friedensdenkmal ist von Glaskästen umgeben, in denen sich Origami-Kraniche befinden. Sie werden regelmäßig mit den neu-eingesandten Kranichen aufgefüllt. Darüber hinaus findet jedes Jahr im Juli eine Gedenkveranstaltung an diesem Monument statt bei der man den Opfern des Atombombenabwurfs gedenkt.

 

 

Hiroshima Castle

Hiroshima Castle (広島城, Hiroshima-jō), oder auch Karpfenburg (鯉城, rijō) genannt, war einst der Sitz einiger Daimyō (Feudalherren) in Hiroshima. Die eigentliche Burg wurde in den 1590er Jahren errichtet, durch den Atombombenabwurf 1945 jedoch vollständig zerstört. Einige Jahre später beschloss man die Burg wieder aufzubauen und so dient der aus dem Jahre 1958 stammende Nachbau heute als Museum für die Geschiche Hiroshimas vor dem Zweiten Weltkrieg.

Das Burggelände lässt sich hervorragend mit einem kleinen Spaziergang verbinden. Und mit etwas Glück, triffst du sogar auf kleine Schildkröten im Burggraben. ;)

Hiroshima Castle
21-1 Motomachi,
Naka Ward, Hiroshima,
730-0011, Japan

Hiroshima Caste in Hiroshima
Hiroshima Caste in Hiroshima
Hiroshima Caste in Hiroshima

Der Gokoku-jinja in Hiroshima

Die Gokoku-Schreine (護国神社, gokoku-jinja, dt. „Schreine zur Verteidigung des Landes“) sind Shintō-Schreine, in denen Soldaten und andere Militärpersonen als Götter (神, kami) verehrt werden, die in Kriegen auf japanischer Seite gefallen sind. Sie sind sogar namentlich in den Registern der jeweiligen Schreine verzeichnet.

Der Gokoku-Schrein in Hiroshima wurde ursprünglich im Jahre 1869 errichtet und den Opfern des Boshin-Krieges zu gedenken.

The original shrine was founded in 1869, the first year of the Meiji period, in Futabanosato (二葉の里) Hiroshima. The shrine was established to mourn the Hiroshima-Han victims of the Boshin War.

Knapp 100 Jahre später, im Jahr 1934, wurde der Schrein versetzt und umbenannt. Leider wurde er schon 11 Jahre später beim Atombombenabwurf zerstört, weshalb man ihn erneut neu aufbaute.

Hiroshima Gokoku-jinja
21-2 Motomachi,
Naka Ward, Hiroshima,
730-0011, Japan

Der Gokoku-jinja in Hiroshima
Der Gokoku-jinja in Hiroshima
Der Gokoku-jinja in Hiroshima
Der Gokoku-jinja in Hiroshima

Ich muss zugeben, dass ich sehr gespannt auf Hiroshima war. Sieht man noch Spuren des Atombombenabwurfs, oder ist das alles längst vergessen? Tatächlich habe ich hier ein paar Antworten gefunden: Ja, es ist schon lange her und man ist zur Normalität zurückgekehrt. Aber vergessen, wird man dieses schreckliche Ereignis hier nie. Im Gegenteil. Hier wehrt man sich mit allen Mitteln gegen das Vergessen und versucht, ein regelrechtes Mahnmal zu errichten.

Aber auch abseits des Atombombenunglücks, ist Hiroshima eine tolle Stadt, deren Besuch sich lohnt. Und wenn du einmal eine kleine Auszeit brauchst, dann lohnt sich ein Besuch auf der atemberaubend schönen Insel Miyajima. Wann geht es für dich nach Hiroshima?

Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade: Schwarzer Tourismus von The Road most Traveled teil.

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