Autofahren in Japan – Linksverkehr und Tempolimits, an die sich keiner hält!

Autofahren in Japan

Autofahren in Japan

Linksverkehr, exotische Straßenschilder und Tempolimits, an die sich keiner hält!

Du möchtest dir ein Auto mieten und damit durch Japan fahren? Das ist eine großartige Idee und definitiv eine der schönsten Möglichkeiten, das Land kennenzulernen - wenn auch nicht unbedingt die schnellste.

Wir haben uns einen Camper gemietet und sind damit 16 Tage und 1800 Kilometer durchs Land gefahren. Auch wenn du deine Reise vielleicht nicht mit dem Campervan antrittst, möchte ich dir in diesem Artikel von meinen Erfahrungen berichten und dir ein paar Tipps geben.

Campervan auf öffentlichem Parkplatz der Michi no Eki

Maximalgeschwindigkeiten und Tempolimits

In Japan fährt man etwas langsamer als hierzulande. Das kann auf der einen Seite manchmal etwas hinderlich sein, auf der anderen Seite aber auch sehr entschleunigend wirken. Es gelten grob folgende Tempolimits:

50 km/Std. innerorts
60 km/Std. außerorts
100 km/Std. auf dem Highway

Klingt simpel, oder?

Leider ist manchmal nicht ganz ersichtlich, ob du dich innerorts oder schon außerorts, auf einer Autostraße oder einem Highway befindest. Dann wäre ein Schild zum Geschwindigkeitsmaximum hilfreich. Dieses kommt allerdings manchmal ziemlich lange nicht. Dann kann es hilfreich sein, sich an den anderen Autos zu orientieren.

Irritierend ist jedoch, dass die meisten bzw. so ziemlich alle Japaner sehr (sehr!) viel schneller fahren, sofern es die Straßenbegebenheiten zulassen. Das ist normal. Lass dich davon aber nicht aus der Ruhe bringen oder gar dazu anleiten genauso schnell zu fahren wie die Japaner. Das kann gerne mal ins Auge gehen.

Am allerwichtigsten ist jedoch: fahre nicht schneller als die Einheimischen. 😉

Autofahren in Japan

Ampelverhalten in Japan

In Japan befinden sich die Ampeln, genau wie in Kanada, weit hinter der eigenen Haltelinie, meist auf der anderen Seite der Straße. Zudem gibt es eine zweite Ampel, die sich weit vor der anderen Ampel befindet, um auch dem hinteren Verkehr anzuzeigen, wie die Ampellage gerade ist.

Doch auch wenn eine Ampel rot ist, heißt das nicht, dass du nicht fahren darfst. Oft findest du unter dem Ampeln nämlich noch weitere Ampelpfeile. Diese zeigen eine grüne Ampel für die jeweilige Fahrtrichtung an.

Gilt dieser Pfeil nicht mehr, geht er aus und die eigentliche Ampel darüber, springt zunächst noch einmal auf Orange und anschließend auf Rot, um dem Verkehr auch hier noch einmal zu signalisieren, dass die Pfeile nun nicht mehr gelten.

Prinzipiell fahren die Japaner sehr viel langsamer an als wir. Während bei uns schon mindestens drei Leute auf der Hupe hängen würden, ist es hier überhaupt kein Problem, wenn du bis zu einer Minute brauchst, um loszufahren. Das komplette Gegenteil zum Ampelverhalten in Korea.

Ampelverhalten in Japan

Straßenschilder lesen

Alle Richtungsschilder (oder zumindest fast alle) sind auf Japanisch, haben allerdings fast immer eine lateinische Umschrift. Du musst also keine Angst haben, dass du die Schilder nicht lesen kannst.

Allerdings gibt es auch kurzfristig aufgestellte Schilder, bspw. zu Baustellen und aktuellen Verkehrssituationen, die auf eine Umschrift verzichten und lediglich auf Japanisch sind.
Doch auch hier solltest du dich nicht irritieren lassen. Eine Baustelle wirst du früh genug merken und meiner Meinung nach sind viele aufgestellte Schilder irrelevant. In engen Kurven nicht unbedingt zu rasen und auch in engen Gassen den Gegenverkehr zu beachten, versteht sich doch von selbst, oder? 😉

Parken in Japan

Parken darfst du in Japan auf öffentlichen Parkplätzen – genau wie bei uns auch. Auf keinen Fall aber auf privaten Parkplätzen. Auch das Parken am Rand oder auf dem Seitenstreifen ist verboten und kann ganz schön teuer werden. Deshalb achte unbedingt darauf, auf einem öffentlichen Parkplatz zu stehen.

Wenn du dich über Nacht irgendwohin stellen möchtest, dann empfehle ich dir die Michi no Eki (道の駅). Das sind Raststätten, auf denen du kostenfrei stehen kannst. Sie sind mit Toiletten ausgestattet, die du meist 24 Stunden nutzen kannst und meist ein paar Geschäften oder Restaurants, die jedoch beschränkte Öffnungszeiten haben.

Möchtest du in der Stadt parken, suchst du dir idealerweise den Parkplatz einer Sehenswürdigkeit aus. Diese können u.U. günstiger sein, als Zeitparkplätze. Von denen gibt es übrigens ziemlich viele und die können ganz schön ins Geld gehen.

In größeren Städten wie Tokio, Kyoto oder Osaka, kosten diese Parkplätze oft bis zu 300 Yen / 20 Minuten. Deshalb würde ich dir empfehlen, neben dem eigentlichen Preis des Parkplatzes, auch auf eine tägliche Höchstgebühr zu achten. Diese kann in Tokio bis zu 1800 Yen (ca. 14 EUR) betragen. Achtest du nicht darauf, kann es ganz schnell, ganz schön teuer werden.

Michi no Eki

Eine Michi no Eki.

Ein Beispiel: Wir hatten uns für vier Tage in ein Hotel in Tokio eingebucht, welches über die Möglichkeit verfügte, das Auto auf einem solchen Zeitparkplatz stehen zu lassen. Dies funktioniert so, dass du beim späteren Ausparken nach der eigentlichen Parkkarte, noch eine Karte vom Hotel nachschiebst. Damit reduziert sich der Preis dann auf 0. Wie hoch der Betrag ist, den das Hotel für den Parkplatz berechnet, ist dabei noch einmal ganz unterschiedlich und vom jeweiligen Hotel abhängig.

Hätten wir unser Auto allerdings ohne eine Übernachtung in dem Hotel auf diesen Parkplatz gestellt, der für alle Autofahrer verfügbar ist, hätten wir 81.900 Yen (ca. 620 EUR) gezahlt. Das Auto hätte zu diesem Zeitpunkt etwas über drei volle Tage dort gestanden.

Ein Tipp: Brauchst du einen günstigen Parkplatz für kurze Zeit, dann halte nach Convenience Stores (7eleven, FamilyMart, Lawson etc.) oder einem Supermarkt Ausschau. Hier kannst du meist umsonst stehen. 😉

Campervan auf Zeitparkplatz
Parkautomat in Japan

Linksverkehr

Zugegeben: irgendwie suchen wir uns für unsere Roadtripps immer Länder mit Linksverkehr aus. Aber irgendwie sind es eben auch die schönsten. Schottland und Irland, die Länder mit denen wir unsere Roadtripserie starteten, haben ebenfalls Linksverkehr. Lediglich in Kanada, Korea und Norwegen durften wir wie gewohnt rechts fahren.

Wir sind also mittlerweile etwas geübter darin, Länder mit Linksverkehr im Auto zu erkunden. Das ist ungewohnt und fordert ein wenig Überwindung, am Ende ist es jedoch halb so wild.

Fazit: ähnlich wie in Deutschland.

Tipps für die Planung deines Roadtrips findest du übrigens hier.

Autofahren in Japan

Mautstraßen

Japan greift auf seinen Straßen auf das System der Maut zurück. Jedoch sind nicht alle Straßen Mautstraßen. Eigentlich sind es sogar nur die Highways. Die Straßen sind meist besser ausgebaut und du kannst schneller auf ihnen fahren. Das bedeutet, dass du sehr viel schneller an dein Ziel kommst.

Allerdings ist die Benutzung dieser Mautstraßen nicht gerade günstig. Ich würde hier auf 100 Kilometer mit 2500 Yen (ca. 20 EUR) rechnen. Kurz gesagt: der schnellste Weg ist auch direkt der teuerste und reisst damit direkt ein riesiges Loch in eure Reisekasse.

Wenn du Geld sparen möchtest, rate ich dir also die Mautstraßen zu vermeiden. Und ehrlich gesagt, sind die Nicht-Mautstraßen sowieso die schöneren Routen.

Mautstraßen fahren: so geht’s!

Solltest du dich doch dazu entscheiden einmal die Mautstraße zu nutzen, dann fährst du zunächst durch eine Schleuse. Hier erhältst du eine Karte, die du aufheben musst, bis du die Mautstraße wieder verlässt. Dann fährst du nämlich erneut durch eine Schleuse, bei der du die Nutzung der Straßen bezahlen musst.

Die erfolgt entweder am Automaten, oder an einem Kassenhäuschen. Dafür musst du allerdings bei den Mautstellen jeweils den grün markierten Bereich benutzen.

Für gewöhnlich nutzen die Japaner allerdings das Electric Toll Collection System, kurz ETC. Dafür meldest du dich an und registrierst dein Auto. In dem Auto befindet sich dann ein Kartenlesegerät, in das du eine Kreditkarte steckst, von der die ETC-Gebühr regelmäßig abgebucht wird.

Dies funktioniert vollkommen automatisch, denn das Gerät enthält einen Chip, welches an den jeweiligen Mautstellen erfasst wird.

Wie tanke ich in Japan?

Die Überschrift wird dich sicherlich irritieren und du wirst dich fragen, was das soll. Immerhin ist Tanken doch ganz einfach, oder? Nun... ja... allerdings solltest du wissen, dass es in Japan unterschiedliche Arten gibt zu tanken.

Nun, zunächst einmal kannst du an japanischen Tankstellen wählen, ob du den Self- oder Full-Service haben willst. Das bedeutet, dass du entweder selber tankst oder tanken lässt. Tankstellen, an denen der Self-Service verfügbar ist, sind mit einem Self (jap. セルフ)versehen und du siehst bereits beim Befahren der Tankstelle, woran du bist. Natürlich ist der Full-Service etwas teurer, dafür wird alles für dich gemacht. Du musst am Ende eigentlich nur noch zahlen.

Wenn du dich für den Selfservice entscheidest, dann empfiehlt es sich mit einer Kreditkarte zu tanken. Das ist am einfachsten. Ich hatte dir ja bereits von unseren Tankerfahrungen in Norwegen erzählt. Hier ist es ähnlich: du schiebst die Kreditkarte in den Automaten und bezahlst. Fertig.

Wenn du dich für die Barzahlung entscheidest, gibt es unterschiedliche Systeme. Zunächst einmal wählst du den Treibstoff aus und tankst. Dann fütterst du den Automaten mit Geld und bekommst dein Wechselgeld zurück.

Manchmal musst du auch zuerst Geld in den Automaten werfen und dann die Literanzahl auswählen, die du tanken möchtest. Es fließt dann solange Treibstoff, bis die ausgewählte Menge erreicht ist, oder der Tank voll ist.

Das Wechselgeld bekommst du entweder Bar, oder musst du dir selbst noch abholen. Auf der Quittung, die du bekommst, befindet sich dann ein Barcode, den du an einem anderen Automaten scannen musst und dann dort dein Wechselgeld bekommst.

Übrigens ist der Treibstoff in Japan etwas günstiger als bei uns. Wir mussten Benzin tanken und haben durchschnittlich 136 Yen/Liter (ca. 1 EUR) bezahlt.

Tanken in Japan

Achte auf das セルフ.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Beitrag ein paar Bedenken zum Autofahren in Japan nehmen.

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Hi, ich bin Kathi und bin reisesüchtig. Fremde Kulturen faszinieren mich genauso sehr wie die Sprachen, Bräuche und Sitten anderer Länder. Auf Kulturtänzer zeige ich dir, welche Orte du besucht, welche Speisen du probiert und welche Feste du gefeiert haben musst.

6 Comments

  1. Marco
    12. April 2018

    Da kommen eigene Erinnerungen an meine Reise durch Japan hoch. Ich bin letztes Jahr mit meinem Motorrad nach Japan gefahren und habe mich gut 1 Monat in Japan aufgehalten.

    Das schöne mit dem Japanischen Verkehr ist, sie sind sehr rücksichtsvoll und auch wenn man mal in einer Metropole wie Tokyo auf der falschen Spur steht und im letzten Augenblick wechseln muss, es wird einem grosszügig verziehen.

    Antworten
    1. Kathi
      17. April 2018

      Lieber Marco,
      wow, das klingt auch toll.
      Das stimmt allerdings. Es wird kein Hupkonzert losgetreten, wenn man etwas falsch macht. 🙂
      Würdest du es noch mal machen und dann ggf. mit einem Camper?

      Viele liebe Grüße
      Kathi

      Antworten
  2. Sabine
    12. April 2018

    Liebe Kathi,
    in deiner Sammlung der Linksverkehr-Länder fehlt noch Australien 😉
    Ich finde es super praktisch, wenn man sich vor der Reise über die Regelungen und Gepflogenheiten so ausführlich informieren kann.
    Toller Artikel!
    Liebe Grüße
    Sabine

    Antworten
  3. Elena
    14. April 2018

    Liebe Kathi,
    das klingt ja höchst kompliziert, aber dein Artikel bringt klar und übersichtlich Licht ins Dunkel. Sehr übersichtlich und deutlich – BRAVO! Besonders für Leute wie mich, die die Gegend (egal wo) immer mit dem Auto erkunden möchten.
    Viele Grüße
    Elena

    Antworten
  4. Tanja
    16. April 2018

    Wie spannend. Wir lieben Roadtrips. Einer steht, pro Jahr, mindestens auf dem Programm. So ging es auch schon durch Schottland, Ungarn, Polen, kürzlich Italien u. v. m. Aber Japan ist da natürlich noch mal eine ganz andere Nummer. Sehr, sehr cool. Daher hab ich mir euren Japan-Roadtrip jetzt auch gleich mal auf Pinterest (für meine Reiseplanung) vorgemerkt und wenn du magst, würde ich eure Strecke auch gern auf dem Blogger-Projekt „die schönsten Roadtrips“ vorstellen

    Antworten
  5. Selda
    16. April 2018

    Liebe Kathi,
    das hört sich ziemlich chaotisch und schwierig an. Ich glaube, ich lasse mich dann lieber Fahren, wenn ich in Japan bin. Wenn ich so nachdenke, bin ich noch nie in einem Land mit Linksverkehr gefahren. Tolle Übersicht mit guten Tipps.
    Liebe Grüße, Selda.

    Antworten

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