Silvester in Japan - So feiert man Neujahr in Japan

Silvester in Japan – So feiert man Neujahr in Japan

Kurz nach Weihnachten in Japan folgt auch schon das Neujahrsfest. Doch wie verbringt man Silvester in Japan? Das möchte ich dir im Folgenden ein wenig näherbringen. Es sei schon einmal so viel verraten: dich erwarten eine Reihe von ungewöhnlichen Ritualen und wunderschönen Bräuchen.

Die Vorbereitungen zum Neujahrsfest

Anders als Weihnachten, kommt dem Neujahr in Japan eine stärkere und ganz besondere Bedeutung zu. Eigentlich ist das Neujahrsfest sogar eines der wichtigsten Feste des Landes. Man nennt es O-shōgatsu (お正月).

Bereits Wochen vorher bereiten sich Geschäfte und Läden auf dieses Fest vor – ähnlich wie zu Weihnachten.

Vom 29. Dezember bis zum 3. Januar bleiben die meisten Firmen und Geschäfte geschlossen, denn diese Zeit soll mit der Familie verbracht werden. Deshalb ist eine gute Planung notwendig – nur so bekommt man rechtzeitig alles hin.

Doch bevor es in die Jahresendferien geht, veranstalten Firmen häufig noch einen gemeinsamen Abend oder eine kleine Feier, bei der man das Jahr Revue passieren lässt und (ggf. auch emotional) abschließt. Dies nennt sich Bōnenkai (忘年会) und wird häufig veranstaltet, um einen Schlussstrich unter das Jahr zu ziehen. Wenn du jemandem einmal deine Meinung zu etwas sagen wolltest, was du in diesem Jahr nicht gut fandest, ist dies die letzte Gelegenheit (übrigens macht das auch vor Chefs nicht halt).

Das dazugehörige Pendant ist das Shinnenkai (新年会), die Neujahrs-Versammlung, im Januar, welches die Mitarbeiter auf das neue Jahr einstimmen soll.

Ähnlich wie bei uns vor Weihnachten, darf in Japan das Versenden von Neujahrskarten, sogenannten Nengajō (年賀状), nicht fehlen. Egal, ob du geschäftlich oder privat mit jemandem zu tun hattest, solltest du ihm oder ihr eine Neujahrskarte schicken. Wir machen dies ja meist vor Weihnachten und wünschen direkt ein frohes neues Jahr mit.

Japanische Unternehmen, die viel und häufig mit Europäern oder Amerikanern zu tun haben, sind dazu über gegangen, diese Neujahrskarten vorzuziehen und Weihnachtskarten daraus zu machen.

Einen Unterschied gibt es aber, denn während die Weihnachtsgrüße bei uns häufig weit vor den Weihnachtsfeiertagen bei uns eintreffen, sollen die meisten Neujahrsgrüße in Japan am 1. Januar zugestellt werden. Um dies zu gewährleisten, ist die japanische Post auf Hilfe von zusätzlichen Arbeitern angewiesen, die eigens dazu für diese Zeit eingestellt werden.

Der Einsendeschluss für diese garantierte Zustellung ist übrigens der 25. Dezember.

Der Besuch bei der Familie

Viele, vermutlich sogar die meisten Menschen in Japan, besuchen zum Neujahrsfest die Familie. Dann geht es aus der Stadt hinaus aufs Land, was regelmäßig für ein riesiges Verkehrschaos sorgt, weil einfach das komplette Land unterwegs ist.

Meist müssen auch vor dem Fest noch einige Vorbereitungen getroffen werden, bei dem idealerweise jeder mit anpackt. Das eigene Heim muss zuvor gründlich sauber gemacht werden. Dies nennt man susuharai (煤払い) und könnte man in etwa mit unserem Frühjahrsputz gleichsetzen. Dieser findet allerdings schon einige Tage vor Neujahr statt, damit alles bereit ist, um das alte Jahr zu verabschieden und das neue Jahr willkommen zu heißen.

Dieser Neujahrsputz gehört übrigens seit der Edo-Zeit (1603-1868) zur festen Vorbereitung auf das japanische Neujahr. Früher wurden am 13. Dezember immer die Tempel, Läden und privaten Häuser gereinigt. Heute nimmt man es damit nicht mehr so ernst und ist im Datum flexibler. Einzig Shintō-Schreine und buddhistische Tempel werden noch am 13. Dezember gereinigt.

Das eigentliche Familienfest findet dann am 31. Dezember statt. Dann ist man lange Nudeln (Toshikoshi Soba, 年越しそば), da sie ein langes Leben symbolisieren sollen und von denen sie keine einzige übriglassen dürfen, Mochi (süßliche, klebrige Klöße aus Reismehl) und andere traditionelle Speisen.

Am Neujahrstag selbst soll nicht gekocht werden. Aus diesem Grund werden im Vorfeld bereits Bentō-Boxen mit allerhand Leckereien vorbereitet, die es übrigens auch zu bestellen gibt. Dieses „Gericht“ nennt man O-sechi Ryōri (御節料理) und besteht aus Speisen, denen man positive Eigenschaften zuschreibt, wie beispielsweise „in Salz gebratene Seebrasse“ (Tai no Shioyaki, 鯛の塩焼き), die besonders glückverheißend sein soll, oder Heringsrogen (Kazu no ko, 数の子), der ein gutes Omen für Nachwuchs im kommenden Jahr sein soll.

Ein anderes sehr bekanntes Gericht zu Neujahr ist O-zōni (お雑煮), eine Suppe mit Mochi-Reiskuchen. Beim Verzehr kommt es jedoch jährlich zu diversen Krankenhausaufenthalten, da sich insbesondere Kinder und ältere Menschen am klebrigen Reiskuchen verschlucken.

Silvester in Japan

An Silvester, oder Ōmisoka (大晦日), werden die Häuser und Wohnungen in Japan festlich dekoriert und geschmückt; beispielsweise mit Blumenschmuck oder Dekorationen aus Kiefern.

Am Abend wird in der buddistischen Tempelanlage ein Glockenspiel aus 108 Glockenschlägen gespielt. Dieses Glockenläuten nennt man Joya no kane (除夜の鐘).

Die Anzahl geht auf die 108 Leidenschaften bzw. weltlichen Begierden zurück, die man im Laufe des Jahres ansammelt. Dadurch sollen alte Lasten und Sünden des vergangenen Jahres ausgelöscht werden, sodass man frei von ihnen ins neue Jahr wechseln kann. Einige Japaner schließen diesem Glockenspiel ein Gebet an, in dem sie darum bitten, die alten Lasten und schlechten Dinge des vergangenen Jahres hinter sich lassen zu dürfen.

Doch in Japan ist beim Wechsel vom 31. Dezember auf den 1. Januar nicht schon alles vorbei, sondern die Neujahrsfeierlichkeiten fangen gerade erst an. Man verzichtet hier außerdem auf das Feuerwerk.

Trotzdem wünscht man sich einen guten Rutsch ins neue Jahr, mit den Worten: „yoi otoshi o.“ (良いお年を。)

Im neuen Jahr wünscht man sich mit „Akemashite omedetō!“ (明けましておめでとう) oder kurz „Ake ome!“ (明けおめ!) ein frohes neues Jahr!

Übrigens: Neujahrsgeschenke gibt es übrigens auch. Die nennt man O-seibo (お歳暮). Kinder bekommen von ihren Eltern und anderen Verwandten meist Geld geschenkt. Dieses Neujahrsgeld wird O-toshidama (お年玉) genannt.

Rituale an Neujahr

Allen voran steht am ersten Neujahrstag oder O-shōgatsu (お正月) natürlich der Besuch eines Shintō-Schreins an. Der erste Schreinbesuch des Jahres wird Hatsumōde (初詣) genannt. Hier bittet man bei allen Göttern um Wohlwollen für das nächste Jahr. Die meisten Japaner gehen am Neujahrstag oder in der Neujahrsnacht zu einem Schrein – oft ist es ein lokaler Schrein in ihrem Wohnbezirk. Einige gehen zusätzlich noch zu einem größeren und bekannteren Schrein – viel hilft schließlich viel. Zeit haben sie dafür bis zum 3. Januar.

Die wichtigsten Shintō-Schreine sind beispielsweise der Meiji-jingū (明治神宮) in Tōkyō oder der Yasaka-jinja (八坂神社) in Kyōto. Bei diesen Schreinen schieben sich in den ersten drei Tagen des Jahres meist über 3 Mio. Menschen die Straßen und Wege zu den Gebäuden entlang. Oft dauert es mehrere Stunden, ehe man an der Reihe ist, seine Neujahrswünsche zu äußern.

Darüber hinaus gibt es einige Dinge, die man an den Neujahrstagen unbedingt zum ersten Mal im neuen Jahr tun sollte. Man soll beispielsweise den ersten Sonnenaufgang (Hatsuhi no de, 初日の出) an einem landschaftlich schönen Ort beobachten. Ein Berg, oder ein See wären hier ideal. Der erste Traum im neuen Jahr (Hatsuyume, 初夢) soll Hinweise auf das kommende Glück im neuen Jahr geben. Perfekt ist ein solcher Traum, wenn zuerst der Berg Fuji, dann ein Falke und im Anschluss eine Aubergine darin auftaucht.

Aber auch der erste Verkauf im neuen Jahr (Hatsuri, 初売り) muss zelebriert und gewürdigt werden. Die meisten Geschäfte öffnen am 2. Januar wieder ihre Pforten und dann können nicht nur die Kinder ihr O-toshidama auf den Kopf hauen, sondern es können auch sogenannte Wundertüten bzw. „Glückstüten“ (Fukubukoro, 福袋) ergattert werden. Darin befindet sich ein Sammelsurium an unterschiedlichen Produkten, die normalerweise sicherlich 50 % mehr gekostet hätten. Hier musst du allerdings schnell sein, denn die Tüten sind meist ruckzuck ausverkauft.

Würdest du den Neujahrswechsel gerne mal in Japan verbringen? Oder sind die ganzen Bräuche und Rituale etwas zu abgefahren?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Um die Übersicht über Kommentare zu behalten und Missbrauch zu verhindern, speichert diese Website mit Absenden deines Kommentars personenbezogene Daten. Du kannst Deine Kommentare natürlich später jederzeit wieder löschen lassen. Nähere Informationen sind in der Datenschutzerklärung zu finden.